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Berufshaftpflicht

Die Halluzination ist zum Berufshaftpflichtfall geworden.

Unter den siebzehn erfassten europäischen Fällen ist die Berufshaftpflicht die am häufigsten vertretene Sparte. Der Mechanismus ist stets derselbe.

Der Schatten eines menschlichen Gesichts zerfällt an einer hellen Wand in Pixel, vor einem Glasblock.

Eine Fachperson — Anwältin, Prüfer, Forscherin, Journalist — lässt ein generatives System einen Inhalt erstellen oder belegen. Das System erfindet Quellen: fabrizierte Zitate, nicht existierende Rechtsprechung, Materialien, die es nie gab. Die Fachperson prüft nicht nach. Das Dokument geht raus.

Unsere Datenbasis erfasst vier solche Dossiers zwischen 2025 und 2026, in Rechtsdiensten, Wirtschaftsprüfung, wissenschaftlichem Verlagswesen und Presse. Die festgestellten Folgen reichen vom Rückzug des Artikels bis zum gerichtlich festgestellten Berufsfehler.

Auffällig ist die beteiligte Autonomiestufe: 2 oder 3 auf unserer Skala — kognitive Unterstützung, Inhaltserzeugung. Kein Roboter, kein automatisierter Entscheid, kein ausführender Agent. Das heute häufigste Risiko kommt aus den am wenigsten autonomen Anwendungen.

Der Schluss für einen Underwriter ist kontraintuitiv: Die Schadenhäufigkeit folgt nicht der technischen Raffinesse. Sie folgt dem Fehlen menschlicher Kontrolle über das Ergebnis. Eine Kanzlei, die alles gegenliest, trägt nicht dasselbe Risiko wie eine Kanzlei, die unterschreibt, was die Maschine vorschlägt — bei identischem Werkzeug.

Deshalb bewerten wir kein Modell. Wir bewerten einen Einsatz: wer prüft, zu welchem Zeitpunkt, und was geschieht, wenn niemand prüft.

Quelle: European Agentic AI Loss Database, Zusammenstellung von Garenzia auf Basis des öffentlichen OECD-AIM-Screenings und der AI Incident Database.

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